Der Spot

Der Stagnone von Marsala

Der Stagnone von Marsala ist eine flache Lagune an der Westküste Siziliens, zwischen Capo San Teodoro und Capo Boeo, die zum offenen Meer hin von der Isola Grande abgeschirmt wird. Flachwasser, fast überall stehtiefer Grund und eine Thermik, die von Frühling bis Herbst fast jeden Nachmittag einsetzt, haben ihn zu einem der meistbesuchten Flachwasserspots Europas für Kitesurfen, Wingfoilen und Windsurfen gemacht.

Auf dieser Seite findest du alles, was du wissen solltest, bevor du aufs Wasser gehst: wie die Lagune aufgebaut ist, wo gestartet wird, wie tief das Wasser ist, welche Regeln im Naturreservat gelten und welche Fehler Neulinge am häufigsten machen.

Der Stagnone auf einen Blick

Thema Details
Wasser Flach, Lagune im Schutz der Isola Grande
Wassertiefe 30–50 cm in den meisten belebten Bereichen; tiefere Rinnen entlang der Isola Grande und Richtung Meeresöffnungen
Hauptwinde Maestrale (NW), im Sommer durch Thermik verstärkt; Scirocco (SO) und Tramontana (N) im Frühjahr und Herbst
Saison März bis Oktober; von Juni bis August der beständigste Wind
Niveau Ideal zum Lernen und für Freestyle; anspruchsvoller bei Scirocco und in der Nähe der Rinnen
Schutzgebiet Naturreservat „Isole dello Stagnone di Marsala“, gegründet 1984
Nächster Flughafen Trapani-Birgi, direkt an der Lagune

So ist die Lagune aufgebaut

Die Lagune umfasst rund 2.000 Hektar nördlich von Marsala. In ihr liegen vier Inseln: die Isola Grande (auch Isola Lunga genannt), die sie im Westen abschließt und vom offenen Meer trennt; San Pantaleo, das antike phönizische Motya (Mozia); Santa Maria und Schola. An der Küste liegen die Salinen von San Teodoro, Genna sowie Ettore e Infersa mit ihren Windmühlen.

Weil die Isola Grande als Barriere wirkt, kommt keine Dünung vom offenen Meer herein: Selbst bei 20–25 Knoten bleibt das Wasser glatt oder leicht kabbelig. Genau das macht den Stagnone so gut zum Lernen und zum Üben von Manövern.

Die Kehrseite: Das Wasser der Lagune tauscht sich nur langsam mit dem Meer aus, das Ökosystem ist empfindlich. Das ist ein Grund, warum die Regeln des Reservats ernst zu nehmen sind – mehr dazu weiter unten.

Der Stagnone von Marsala

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Die Reviere am Spot

Nordostküste (Birgi Vecchi)

Der belebteste Bereich: Hier sitzen die meisten Schulen, Verleihstationen und Rider. Bei Maestrale weht der Wind side-shore, der Grund ist flach und gleichmäßig, und nach einem Sturz kommst du mühelos wieder los. Fast der gesamte Unterricht findet hier statt, im Sommer ist es aber auch der vollste Bereich: An Nachmittagen im Juli und August können Hunderte Kites auf dem Wasser sein.

San Teodoro und die Nordöffnung

Im Norden ist die Lagune über die Bocca Nord, zwischen Isola Grande und der Küste von San Teodoro, mit dem Meer verbunden. Das Wasser ist hier tiefer, es kann Strömung und Kabbelwasser geben, und direkt dahinter beginnt das offene Meer. Ein Revier für selbstständige Rider, nicht für die ersten Schläge.

Richtung Mozia und Salinen

Der mittlere und südliche Teil der Lagune, Richtung Mozia und Salinen Ettore e Infersa, ist sehr flach und ruhiger. Er ist aber auch ökologisch am empfindlichsten, und die Boote, die Besucher zur Insel bringen, fahren hier durch. Fahr hier nicht auf eigene Faust, wenn du die Durchfahrten und Regeln nicht kennst.

Die Rinnen entlang der Isola Grande

In der Nähe der Isola Grande gibt es tiefere Rinnen, in denen du nicht stehen kannst. Bei ablandigem Wind, vor allem bei Scirocco, treibst du leicht Richtung Lagunenmitte oder in diese Rinnen ab. Reißt eine Leine oder schläft der Wind ein, kannst du nicht zurücklaufen.

Der Grund: worauf du dich einstellen solltest

In den meisten belebten Bereichen ist das Wasser 30 bis 50 Zentimeter tief. Du kannst fast überall stehen – der Hauptgrund, warum man am Stagnone schneller lernt: Du läufst zum Board zurück und startest neu, ohne zu schwimmen. Flaches Wasser hat aber auch seine Tücken.

  • Stürze und Sprünge. Bei einem halben Meter Wasser kann ein Sturz aus einem Sprung wehtun. Sprünge und Airstyle-Manöver nur mit Abstand zu anderen und nur, wenn du sie sicher landest.
  • Ein lebendiger Meeresboden. Der Grund besteht aus Sand und Schlick und ist mit Seegraswiesen (Posidonia und Cymodocea) bewachsen, die für die Lagune lebenswichtig sind. Lauf so wenig wie möglich und zieh dein Board nicht über den Grund.
  • Neoprenschuhe. Wegen Muscheln, Steinen und etwas Unrat sind Wasserschuhe eine gute Idee, vor allem wenn du viel läufst.
  • Finnen und Foil. Kurze Finnen sind die übliche Wahl. Ein Foil lässt sich im flachen Wasser der Lagune nicht sicher nutzen, und die Regeln des Reservats verbieten es in den flachen Bereichen: Frag deine Schule, wo und ob Foilen erlaubt ist.

Der Wind in Kürze

Der Spot funktioniert mit zwei großen Windsystemen.

  • Maestrale (NW). Der typische Sommerwind. Allein ist er oft schwach, an sonnigen Tagen addiert er sich aber zur Thermik und kann nachmittags 16–20 Knoten erreichen, auch wenn die Vorhersage nur 8–10 zeigt.
  • Scirocco (SO) und Tramontana (N). Häufiger im Frühjahr und Herbst, stärker und oft böig. Der Scirocco weht ablandig: Er verlangt die meiste Erfahrung.

Die Saison geht von März bis Oktober. Juni, Juli und August sind am beständigsten, aber auch am vollsten; April, Mai, September und Oktober sind ein guter Kompromiss aus Wind, Temperaturen und Preisen.

Mehr zu Thermik, Vorhersagen und Kitegrößen liest du in unserem Guide zu Wind und Thermik am Stagnone. Vor der Abfahrt: Wind und Wetter live checken.

Welcher Sport passt zu dir

  • Kitesurfen. Der Signature-Sport der Lagune. Im flachen Wasser lernst du in weniger Stunden als im Meer: Lies, wie viele Stunden man zum Lernen braucht.
  • Wingfoilen. Für die ersten Versuche mit der Wing startet man dank des flachen Wassers oft auf Boards ohne Foil. Fürs Foilen brauchst du mehr Wassertiefe und musst die Regeln zum Foil in der Lagune beachten.
  • Windsurfen. Der Stagnone ist ein Windsurf-Spot mit Tradition: Flachwasser zum Gleiten und zum Lernen von Wenden und Halsen ohne Welle.
  • SUP. Perfekt an windstillen Vormittagen, mit dem Sonnenuntergang über den Salinen als Kulisse – immer außerhalb der Schutzzonen.
  • Hydrofoil. Nur dort, wo Wassertiefe und Regeln es erlauben: Frag immer zuerst die Schule.

Hast du deine eigene Ausrüstung, aber dir fehlt etwas? Dann schau beim Materialverleih am Stagnone vorbei.

Die Regeln im Naturreservat

Der Stagnone ist ein 1984 gegründetes Naturreservat, verwaltet vom Libero Consorzio Comunale di Trapani und Teil des europäischen Natura-2000-Netzes. Wassersport wird durch mehrere Regelwerke geregelt: die Reservatsordnung von 2000, die Verordnung Nr. 1/2019 der Seebehörde von Marsala (Ufficio Circondariale Marittimo) und die Schutzmaßnahmen für Natura-2000-Gebiete.

In der Praxis zählen auf dem Wasser vor allem diese Regeln:

  • Fahr mehr als 200 Meter vom Ufer entfernt und geh nur über die ausgewiesenen Korridore und Startbereiche ins und aus dem Wasser.
  • Leg nicht an den Inseln an und halte Abstand zu den Salinen und zu den Bereichen, in denen Vögel wie Flamingos und Reiher rasten.
  • Kein Foilen in den flachen Bereichen der Lagune.
  • Wähl zugelassene Schulen und Verleihstationen. Ein illegales Center bedeutet oft keine Versicherung und keine Hilfe auf dem Wasser: Lies, wie du die richtige Kiteschule auswählst und illegale Center vermeidest.

Über die Regeln wird zwischen Gemeinde, Reservatsverwaltung, Umweltverbänden und Anbietern diskutiert, und sie können sich von Saison zu Saison ändern. Frag vor jeder Session deine Schule oder dein Center, welche Bestimmungen aktuell gelten.

Sicherheit: die häufigsten Fehler

  • Den Scirocco unterschätzen. Er weht ablandig und drückt dich Richtung Lagunenmitte und Rinnen. Bei Scirocco nur raus, wenn du völlig selbstständig bist, und nie allein.
  • Zur falschen Zeit rausgehen. Im Sommer wird bis zum Abend gefahren, aber nach Sonnenuntergang sieht dich niemand mehr auf dem Wasser. Außerhalb der Saison kann der Strand leer sein: Sag immer jemandem Bescheid.
  • Das Gedränge ignorieren. An Sommernachmittagen gelten die Vorfahrtsregeln: Steuerbordbug hat Vorfahrt, wer in Luv fährt, hält Abstand, und wer ins Wasser geht, lässt denen Vorrang, die schon fahren. Bau deinen Kite auf und starte ihn abseits von Badegästen und den Leinen anderer.
  • Sonne und Hitze vergessen. Der Wind kaschiert die Hitze: Sonnencreme, Lycra, Kappe und Wasser sind Pflicht.
  • Ohne Versicherung fahren. Prüf, ob du eine Haftpflichtversicherung hast, die Kitesurfen abdeckt: Seriöse Schulen fragen danach.

Anreise und Unterkunft

Der Flughafen Trapani-Birgi liegt praktisch an der Lagune, von Palermo aus sind es rund anderthalb Stunden mit dem Auto. Zu Flügen, Transfers und Mietwagen lies Anreise zum Stagnone ohne böse Überraschungen.

Zum Übernachten hast du die Wahl zwischen Ferienhäusern und B&Bs rund um Birgi und die Salinen, nur ein paar Schritte vom Wasser, oder Marsala und Trapani: mehr los am Abend, aber 15–25 Minuten Fahrt bis zum Spot.

Wenn kein Wind weht

Flautentage gibt es, vor allem zu Saisonbeginn und -ende. Am Stagnone lassen sie sich leicht füllen: das Boot nach Mozia mit seiner Ausgrabungsstätte, das Salzmuseum und die Salinen Ettore e Infersa, eine SUP-Tour am Morgen, der Sonnenuntergang an den Windmühlen, die Weingüter von Marsala. Mehr Ideen findest du in unserem Guide für Flautentage.

Häufige Fragen zum Stagnone

Kurze Antworten auf die Fragen, die uns vor einer Reise an den Stagnone am häufigsten gestellt werden.

Ist der Stagnone für Anfänger geeignet?

Ja, er ist einer der besten Orte Europas zum Lernen: Flachwasser, fast überall stehtiefer Grund und beständiger Wind an Sommernachmittagen. Wichtig ist, bei einer zugelassenen Schule Unterricht zu nehmen und in den Schulungsbereichen zu bleiben.

Wie tief ist das Wasser am Stagnone?

In den meisten belebten Bereichen ist es 30 bis 50 Zentimeter tief. Entlang der Isola Grande und Richtung Meeresöffnungen gibt es jedoch tiefere Rinnen, in denen man nicht stehen kann.

Wann ist die beste Reisezeit?

Die Saison geht von März bis Oktober. Juni, Juli und August haben den beständigsten Wind, aber auch die meisten Leute auf dem Wasser; April, Mai, September und Oktober sind ein guter Kompromiss aus Wind, Temperaturen und Andrang.

Kann ich ohne Schule auf eigene Faust fahren?

Ja, wenn du selbstständig fährst und die Vorfahrtsregeln kennst. Nutze die Startkorridore, halte 200 Meter Abstand zum Ufer, respektiere die Schutzzonen des Reservats und fahr bei Scirocco nicht allein.

Darf man am Stagnone foilen?

Nicht in den flachen Bereichen der Lagune: Bei so wenig Wasser ist es gefährlich, und die Regeln des Reservats verbieten es. Frag die Schule oder den Verleih, wo es erlaubt ist.

Brauche ich eine Versicherung zum Kitesurfen?

Eine Haftpflichtversicherung, die Kitesurfen abdeckt, ist dringend zu empfehlen, und seriöse Schulen verlangen sie. Manche Verbände und Vereine schließen sie in die Jahresmitgliedschaft ein.

Wie sehe ich, ob heute Wind ist?

Schau auf unsere Seite Wind und Wetter am Stagnone mit Live-Messwerten und Vorhersagen. Denk daran: An sonnigen Tagen kann die Thermik mehrere Knoten mehr bringen als vorhergesagt.